Törchen 10

10.12.

Seit dem Kaufhof-Tiefpunkt habe ich massenhaft beschissene Werbung registriert, teilweise mit Weihnachtsaufhänger, teilweise einfach ganz regulär bescheuert. Ein kleines Best-Of habe ich mir in der Hirse und im Handy notiert.

Da hätten wir:Gott statt Schrott – Bibel TV. Ein Wortspiel von imposantem Witz, eine tiefgehende Kernbotschaft, ein Slogan für die Ewigkeit.  Bin Fan der ersten Stunde.

Auf den Griffen der Benzintankhähne wirbt  eine Sparkasse abwechselnd mit „läuft“ und „immer flüssig“.

Für diese ausgeschlafene Pfiffigkeit überschüttet sich der verantwortliche Knöterich von Bank- oder Werbemensch wahrscheinlich bis heute mit anerkennenden Schulterklopfern. Mensch Rainer, diese Dinger damals an der Mundorf-Tanke, da warste echt in Form. 

Im Radio höre ich etwas wie

„hach ich freue mich ja so auf Weihnachten, oder besser gesagt: auf Zweihnachten! Mit der neuen Rattatam Doppelflat in alle Netzte mit Highspeedpliplaplü für nur X Euro Ypsilonneunzig“

Da dies in einer selbst für die stressrobuste Gattung Radiowerbung unüblich hektischen Hysterie vorgetragen wurde, konnte ich den Anbieter dieser Raffinesse leider nicht ausmachen.

Und dann hat Deichmann noch einen zum Besten gegeben. Er besticht dadurch, dass einfach alles an ihm krude ist:

„Erlebe jetzt, worauf Sylvie wirklich steht!“

Selbst bei der wahnwitzigen Grundannahme, dass Deichmann uns nun verraten wird, ob Frau VanderVaart, wenn sie denn noch so heißt, da müsste nun erst mal ein Society-Experte ins Boot geholt werden, gerne HipHop hört, Ancleboots trägt oder beim Koitus ein bisschen würgen schön  findet, wäre damit gleichsam gesagt, dass sie uns vorher Jahre lang angeschmiert und uns dreiste Lügen über ihre Leidenschaften aufgetischt hat, und wir froh sein können, dass Deichmann sie mit seiner stoischen Sanftmut nun davon überzeugen konnte, uns endlich die Wahrheit zu sagen. Weil wir ein Anrecht darauf haben!

Des Weiteren behauptet dieser Slogan, dass es in irgendeiner Form von Belang ist, was Sylvie im Grunde ihres Herzchens  knorke findet und zu guter Letzt wird die wirklich wahnhafte These aufgestellt, dass es sich beim Einverleiben dieser Informationen in auch nur einer aller möglichen Welten um ein „Erlebnis“ handeln könnte.

 

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