Törchen 12

12.12.

Grundsätzlich ist ein Fun Fact in allen Weihnachtsbereichen besonders augenfällig: die Moderne hat dort nichts zu suchen!

Bis auf die Geschenke, die  HD-ig oder elektronischer Natur sein sollen oder wahlweise in einer Parfümerie eingefangen werden, möchte der gesamte Rest des Lebens  während der Feiertage bitte behaupten,  es habe die letzten einhundert Jahre Geschichte nicht gegeben. Wir essen von antikem Silber, wir tragen viel wärmende Wolle, wir wollen plötzlich Kerzenschein statt LEDs.

Und: Wir wollen Schnee. Oder sollen Schnee wollen, da bin ich mir nicht sicher.

Das Radio ermüdet allenthalben mit kessen Sprüchen darüber, dass wir wohl dieses Jahr nicht mit weißen Weihnachten rechnen können. Ja Mensch, schade, dann dieses Jahr mal ausnahmsweise nicht. Aber wir fahren ja noch nach Österreich snowboarden und wellnessen, da kriegen wir ja dann unseren Schnee, auf dessen Eintreffen wir wochenlang eingenordet wurden.

Ganzjährig besteht diese kleine deutsche Welt in weiten Teilen aus Stein, Metall, Beton und Plastik, an Weihnachten wollen wir von alldem nichts wissen und komplett grüngewaschen und ursprünglich sein. Warum ist das so?

Könnte es nicht sein, dass die ganze Chose erst dadurch anstrengend wird, weil wir eine gewisse Selbstverleugnung betreiben müssen?

Mein persönlicher Advent war bisher ein bisschen anders als gewohnt. Durch dieses beknatterte Schreibprojekt war ich gezwungen, mir jeden Tag Zeit zu nehmen, um  wenigstens ein grobes Gerüst aus der Rübe zu würgen. Dass die Ausformulierung der Grobgerüste  in einen hektischen Freitag und einen langen Samstagabend, gewandet in Jogginghose, strähniges Haar und pinken Froschkönigbademantel mündete, muss ja niemand erfahren.

Ich bin dadurch tatsächlich ein bisschen wacher und rührseliger durch die Welt gelaufen. Und muss sagen: das war gut.

 

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