Törchen 4

4.12.

Der heutige Freitag besticht durch ein paar sehr erfreuliche kleine Notizen, die definitiv etwas mit Weihnachten zu tun haben.

  1. Zum Frühstück gab es ein knackiges Stück Schokonikolaus, da ich gestern im Restaurant die Deko gestohlen habe. Das Duett aus einem lächerlichen Hauch krimineller Energie und Theobromin zum Frühstück wirkt definitiv stimmungsaufhellend.
  2. Im Tonstudio meiner Wahl gibt es zusätzlich zur ganzjährigen Standardkeksdose nun ein paar Meter weiter noch einen üppigen, bunten Pappteller voller Gebäck und Nüsse. Stimmung wird noch weiter aufgehellt.
  3. Im Drogeriemarkt meiner Wahl, in dem ich einkaufe weil ich hier Mensch bin,- bei Rossmann bin ich ein gelber Zeisig und bei Müller leider ein Hirsch – , gibt es ihn wieder, den köstlichen Adventskräutertee. Nach Weihnachten kauft man traditionell ein paar Packungen zum halben Preis und dann, sobald man sich daran erfolgreich übertrunken hat, verschwindet er höflich für viele Monate in den Schatten.
  4. Aus dem Auto heraus sehe ich eine so entwürdigend bescheuerte saisonale Werbekampagne der Galeria Kaufhof, dass man aus der Bluse springen möcht. Unter Zuhilfenahme der üblichen Weihnachtsassoziationserweckungsfarben Tannengrün und Gold ist eine rappellangweilige Herrenarmbanduhr abgebildet. Es ist die durchschnittlichste Uhr, die man sich nur ausdenken kann. Man braucht wahrscheinlich psychoaktive Drogen, um eine solch perfekte Abstraktion zu bewerkstelligen. Eine Uhr, die man auch nach drei Jahren des Tragens zwischen ein paar weiteren Uhren nur an besonderen Kratzspuren erkennen könnte. Dazu der Slogan: „Weihnachtswünsche werden wahr.“ Au ja, ich möchte eine Uhr, die aussieht, als wäre sie auf einem Lernspielkärtchen für Kleinkinder abgebildet , die ich unter hunderten nicht wiedererkennen würde, geschweige denn unter dreien. Wenn ich diese eigenschaftslose Uhr endlich mein eigen nennen darf, wird endlich alles gut sein.“ Hat für diesen faden Haufen Kakka die Kaufhofgruppe Geld an eine Werbefirma gezahlt, die sich nach wildbekoksten Thinktanks diesen Satz schlussendlich aus einer ausgehenden Nachtschicht im ersten Licht des anbrechenden Tages aus den Rippen leierte oder hat das zwischen zwei Gängen zum Drucker mal eben der Praktikant ausgerotzt? Weil dann wäre es gar nicht mal schlecht.
  5. Um 14 Uhr klingelt es an der Türe und man bekommt Kaffeebesuch von einer Freundin. So weit so gewöhnlich. Allerdings hat sie heute ordentlich einen in der Krone, da sie zum wiederholten Male mit ihren Kollegen gute Gründe hatte, die Mittagspause, beziehungsweise den Feierabend auf dem Weihnachtsmarkt zu verbringen. Drei Glühwein hat die kleine Person in der Hirse, ihre Bäckchen sehen aus wie aus einem russischen Weihnachtsfilm, wie kreisrund aufgetragenes, kräftiges Rouge. Nach mehreren Fleischsalatbroten und zwei Tassen Kaffee kann sie wieder in die Zivilgesellschaft eingegliedert werden.
  6. Dezember, ich mag Dich. Leckere Dinge in flüssig und fest, fröhliche mittags betrunkene Freunde und Werbung so schlecht dass die Schwarte kracht. So kann es bleiben.

 

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