Erkenntnisse, Fragen & Feststellungen an einem Freitagabend.

Kindsvater und ich haben nun final beschlossen, wer wer wär, wenn wir Neunziger-Chartstürmer wären. Ich Dr. Alban, er Haddaway. Schön, in dieser Sache endlich Klärung erfahren zu haben.

Nicht schön, gar nicht schön, das absolute Gegenteil von schön: bemerken, mit wie wenig Überraschung man mittlerweile die Kombination Kleintransporter-Menschenmenge zur Kenntnis nimmt. Auch facebook hat sich dran gewöhnt; die Profilbildwechselwelle der Anteilnahme bleibt aus. Und damit auch das jedes Mal aufs Neue aufbrausende Wortgetöse, dass das a. eh Quatsch sei, b. keiner es mächte wenn es um Afrika ginge, c. damit niemandem geholfen ist, man d. aber ein kleines Zeichen setzen möchte und sei das nur in der Beflaggung des Profilbilds und e. dergleichen mehr. 

Terror mitten in Europa und ich hatte einen stinknormalen Freitag. Bei Bataclan sah das noch anders aus; ich übernachtete an diesem Novembertag   bei meiner Busenfrau Hanna in Frankfurt und wir lagen stundenlang scrollend im Bett, newstickerten, rauchten ab und an und sprachen fassungslos darüber. Ich habe heute so gut wie gar nicht darüber gesprochen. Ihr so?

Den Satz „Der nächste bitte“ habe ich außerhalb einer Bühne oder eines Studiomikrofons noch nie benutzt. Du denn? Bemerkte ich heute in der Post. Wie auch ebenfalls, dass „selbstklebend“ ein sehr catchy Wort für eine Personenbeschreibung ist. Käme es in den Zeit-Kontaktanzeigen vor, könnte ich nicht anders als ein bisschen zu sinnieren, was der Inserent wohl sagen will. Egoman? Finanziell unabhängig? Vielschwitzeuphemismus?

Und: wenn an einem Puff die Laterne brennt, wie ja an jedem Veedelsbumsbüdchen eine dran ist, heißt das dann schlicht ‚offen‘, ‚frei‘ oder eben ‚besetzt‘? Es steht auch leider nun wieder ein vollständiges Wort auf dem XXL-Carport der käuflichen Liebe hier in meinem Viertel, und nicht mehr ‚Whirlpoo‘. Gnihihi. Schade.

Ach, könnte ich doch nur alle Feinde der Freien Welt, alle Lebenswidersacher des Planteten, alle ISidioten auf einer Rambla versammeln, indem ich lichtgeschwindig mit einem Kleintransporter und meiner das Lasso beherrschenden Schwester im Kreise führe, über alle ihre Füße. Dann frankierten wir sie mit selbstklebenden Marken, bitte frei machen, ja, ganz genau, frei machen und frei bleiben nämlich; und dann ab per Luftpost zurück mit ihnen in die Bäuche ihrer Mütter; alles auf Anfang (welcher Anfang?) , während aus dem Autoradio „What is love“ scheppert, wir gemeinsam „Der nächste bitte“ skandieren und damit einen Plan meinen, einen guten, frischen, mit bunten gesunden Zukunftszutaten, und ich mir eingestehen muss, dass der durch mein geliebtes Baby auszuhaltende Schlafmangel mich vielleicht langsam phantasieren und wirres Zeug darnieder schreiben lässt? Obwohl – wenn ich innehalte und mir’s nomma recht besehe ist’s ein merkwürdiges Wunschbild, ja; aber eben doch mein aufrichtiges Ansinnen.

Gute Nacht, Laterne aus, ach könnte doch nur Frieden sein.