Vom Baumeln und Bommeln.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal eine Steigerung der Fiesformulierung „die Seele baumeln lassen“ finden würde. Dank WDR4 fand ich – im Hit „Lena“ von Pur singt Herr Engler tatsächlich mehrmals im so called Refräng vom „Seelen aneinander reiben“. Ich glaub ich muss brechen!

Genaue Textstelle: „Lena, wie ein klarer warmer Wind, wenn die Tage stürmisch sind, laß ich mich zu dir treiben, Seelen aneinander reiben.“

Bäh.

Die „Seele baumeln zu lassen“, also mit diesem nicht fasslichen, angeblich 21 Gramm schweren, ätherischen Dingsbums, das uns ausmacht, dieser mehrschichtigen Unbegreiflichkeit, über die es so viel zu philosophieren und zu forschen und aufzuschreiben  gab und gibt, dass man bis zu seinem Tode nicht damit fertig würde wenn man genau JETZT mit dem lesen anfinge.  Mit dieser Seele also möchte man etwas anstellen, das eigentlich ausschließlich peinsame Assoziationen hervorruft, weil:

Was baumelt denn schon? Hämorriden können baumeln, Dreckkrusten am Bauch von langhaarigen Haustieren baumeln.  Alte Geschlechtsteile beider Geschlechter, genauer: sehr reife Busen und Skroten beherrschen die Kunst des Baumelns;  es baumelt auch alles, was sich in luftige Höhe manövriert hat und nun von  dort aus eigener Kraft dummerweise nicht mehr weg kommt, vielleicht baumeln noch Dosen am just-married-Vehikel, um etwas halbwegs Positives in diese Aufzählung zu schmuggeln.  Riesenhafte Clip-Ohrringe reicher alter Damen können baumeln, bei Helge Schneider ist´s eine Kackwurst in der Pyjamahose ; ach nee, die bommelt, und zwar hin und her, aber sie könnte ebenso gut baumeln.  Das Baumeln an sich ist also etwas erheiternd-dümmliches bis unansehnlich-peinliches, und das stellen die Leute sprachlich gerne mit ihrer Seele an, wenn sie mit ihrem bemehlten Sack ein paar Tage auf dem  Sandstrand der Insel X herum sitzen. Eier schaukeln und aufs Meer kucken könnte man das ja auch nennen, jeder weiß dann: Dir geht es gerade hervorragend; aber nein, es müssen gleich wieder alle Seelen endlich mal baumeln.  Gut.

Und nun kommt der Hartmut vorbei und möchte seine Seele mit der von Lena „aneinander reiben“; was für eine Ekelidee! Aneinander reiben weckt Bilder von Jugendlichen in Discos, die noch keine Bumsbuddies mit ins Elternhaus schleifen dürfen, der gesamte Sport des Trockenbumsens besteht ja in seiner Kerndisziplin aus Aneinanderreibung, perfektioniert in den Dancehall-Hallen rund um den Globus, mit Epizentrum in Jamaika.  Kalte Hände reibt man noch aneinander, aber Seelen? Was soll der fiese Quatsch? „Und dann hat er/sie sich an mir gerieben.“  Hat da irgendjemand eine gute Assoziation, wenn er diesen Satz hört? Glaubt da jemand an ein erfreuliches Setting?

Ich habe einen Antrag vorzubringen. Ab heute dürfen Seelen legal nur noch an einem Ort aneinander gerieben werden:  im Abenteuerland. Und was da der Eintritt kostet, ist bekannt.