Antwortbrief einer Körperkläusin

Neulich erhielt ich folgende Nachricht bei facebook:

„Hi Nina!

Ich bin auf dein Profil gestoßen und fand dich echt sympathisch. Daher würde ich dich gerne zu unserer ImpressYourBody-Challenge einladen!Bei uns geht es darum, sich generell wohler zu fühlen, gesund und langfristig für den Traumbody zu sorgen und unbeschwert durch den Winter zu kommen. Es geht übrigens nicht um eine Diät, sondern um einfache Wege, eine gesunde Ernährung in den stressigen Alltag zu integrieren und so auch Haut, Haare, Nägel und das Immunsystem zu verbessern .Viele aus unserem Team haben es durch Facebook kennengelernt und sind super happy, vielleicht hast du ja auch Lust?

Ich freue mich auf deine Antwort!

(insert random Jungmännernamen)“

 

Hi  (insert random Jungmännernamen)

Vielen Dank für Deine Post und das Kompliment, ich sei  „echt sympathisch“. Etwas schöner noch wäre gewesen, wenn Du mich für „total authentisch‘ befunden hättest, hashtag BeYourself, aber gut. Echt sympathisch, echt jetzt, ist ja auch nicht nichts.

Die ImpressYourBodyChallenge also.  Sollte sie nicht eher, und das sage ich natürlich ohne jedwedes weiterführendes Wissen über Euer Vorhaben, ImpressWITHYourBody heißen? Geht es nicht darum?

Langfristig für den Traumbody sorgen, unbeschwert durch den Winter kommen, HautHaareNägeldingsbums, wo soll ich nur anfangen?

Beginnen wir bei dem Wörtchen „Challenge“. Es gab einst, in Grimms Märchen und Klassikern der deutschen Literatur, mal ein Wort in unserer Muttersprache für Challenge.  Es lautete Herausforderung.  Nun möchte ich nicht mit einer schnöden Anglizismenkritik um die Ecke biegen und Dich direkt vergraulen. Ich bin ja schließlich nicht hundert sondern 33 und hip und wahnsinnig tolerant. Sprache ist Wandel und es gibt viele tolle Wörter, die wir so im Deutschen nicht haben, die atmosphärisch etwas leicht anderes ausdrücken als das deutsche Pendant.  ‚Challenge‘ gehört nicht dazu. Außer vielleicht dadurch, dass eine Challenge landläufig deutlich weniger mit Herausforderung zu tun hat als eine Herausforderung. Ist es eine Herausforderung, kleine gepresste Spurenelemente täglich einzunehmen, damit die Nägel fester werden? Wirklich?  Oder, um ein paar Challenges mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum zu nennen, sein Mobiltelefon aus dem 17. Stock zu halten? Sich Eiswasser über die Rübe zu schütten? Seinen Daumen grotesk auszukugeln?  Es gab unzählige  social media Challenges, und alle hatten sie eine Halbwertzeit von ungefähr einem Fruchtfliegenleben, deshalb habe ich, – knappes Doppelfruchtfliegenhirn-, sie alle schon wieder vergessen.  Nun also Körperchallenge.  Weiterlesen

20 Jahre Kölner Tatort

Am morgigen Feiertag spreche ich diese Sondersednung im WDR. Viel Spaß hat das gemacht!

http://www.ardmediathek.de/tv/WDR-DOK/Die-Kommissare-vom-Rhein-20-Jahre-K%C3%B6ln/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=12877260&documentId=46465944

Taubenkackenrache erwünscht.

Ich fahre im T-Shirt mit dem Fahrrad um eine Kurve auf eine Rheinbrücke zu; sehe von weitem einen aschfahlen, großen, mit dem Handy telefonierenden Jogginganzugmann, ungefähr verlebte vierzig. Als ich in sein Blickfeld radle verlangsamt er seinen Schritt, dreht sich frontal zu mir, bleibt stehen, und sagt, für mich deutlich hörbar, da er fast schreit, in sein Telefon: „Warte ma‘ kurz, ich muss kurz Titten kucken.“ Weiterlesen

Erkenntnisse, Fragen & Feststellungen an einem Freitagabend.

Kindsvater und ich haben nun final beschlossen, wer wer wär, wenn wir Neunziger-Chartstürmer wären. Ich Dr. Alban, er Haddaway. Schön, in dieser Sache endlich Klärung erfahren zu haben.

Nicht schön, gar nicht schön, das absolute Gegenteil von schön: bemerken, mit wie wenig Überraschung man mittlerweile die Kombination Kleintransporter-Menschenmenge zur Kenntnis nimmt. Auch facebook hat sich dran gewöhnt; die Profilbildwechselwelle der Anteilnahme bleibt aus. Und damit auch das jedes Mal aufs Neue aufbrausende Wortgetöse, dass das a. eh Quatsch sei, b. keiner es mächte wenn es um Afrika ginge, c. damit niemandem geholfen ist, man d. aber ein kleines Zeichen setzen möchte und sei das nur in der Beflaggung des Profilbilds und e. dergleichen mehr.  Weiterlesen

Nackenfaltenmessung ohne mich.

Wenn man schwanger ist muss man eine Wahl treffen: Pränataldiagnostik ja oder nein. Im letzten Jahr entschieden wir uns dagegen.

„Machen das denn andere Leute auch so?“

„Was die anderen machen sollte ja grundsätzlich egal sein, an dieser Stelle aber ganz besonders.“

Antwortet mir meine Frauenärztin, wie immer angenehm resolut und ohne heißen Brei. Wir haben uns gerade gegen das Ersttrimesterscreening entschieden, ein Verfahren, bei dem das Down-Syndrom, andere Chromosomenabweichungen und Herzfehler aufgedeckt werden können. Eigentlich fühlte ich mich mit dieser Entscheidung ziemlich wohl; sie war eindeutig und in ehelicher Einigkeit beschlossen worden. Nun aber, auf dem roten Lederstuhl in der mir doch schon vertrauten Praxis, erscheint es mir plötzlich abstrus, die Gelegenheit, Dinge zu kontrollieren, einfach verstreichen zu lassen. Weil eigentlich kontrolliere ich ganz gerne Dinge. Weiterlesen

Diese Woche hatten wir im Studio Kapazität für Quatsch. Oder Kunst. Entscheiden Sie selbst.

Kleine, sehr späte Schreitherapie anlässlich meines ersten Shitstürmchens.

„Liebe FR Goldberg, möchten Sie mich für blöd verkaufen? Wir reden hier die ganze Zeit nicht um Einzelfälle“.

Ungefähr so harmlos ging es los, als ich vor einiger Zeit einen Bericht über unsere Familiensituation bei der HuffPost veröffentlichte, einem doch extrem nervigen Geschäft, aber hinterher ist man ja immer schlauer. Es schien mir damals wie eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit, ein paar vielen  Fremden von unseren Erfahrungen zu berichten, die ich gerne geteilt sähe, nach wie vor.

Falls noch jemand ins Thema geholt werden möchte: in meinem Elternhaus leben Syrer, mittlerweile noch drei an der Zahl, und sie haben uns überraschenderweise noch immer nicht abgestochen. Zwar rechnete ich fest mit viel trolligem, magensaurem Dampf in der Kommentarspalte, aber die Flut an Hass und Irrsinn, die sich nach kürzester Zeit im virtuellen Orbit zusammenfügte, hat mich dann doch kurz erschrocken. Erwischt.

Fürs weitere Prozedere sei im Übrigen gesagt: alle Zitate schreibe ich so auf, wie ich sie vorgefunden habe. Die Klaviatur der Kommentare reichte vom berechenbar langweiligen, erhobenen Mäusefäustchen á la

„nach der nächsten Bundestagswahl mischt die afd mit freunde.zieht euch warm an, es wird zeit das in deutschland wieder ordnung herrscht.“  Weiterlesen

Nina voiceovert in einer SEHR interessanten Doku.

Jahrelang war James Arthur Ray ein Superstar der amerikanischen Coachingszene: In seinen Bestsellern, Motivationsvorträgen und teuren Seminaren suchten Menschen Hilfe zur Selbsthilfe, Trost und Erleuchtung. Doch dann kamen drei Menschen bei einem von ihm veranstalteten „Schwitzhüttenritual“ ums Leben. Der Film beginnt am Tag seiner Gefängnisentlassung.

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/dokumentarfilm/erleuchte-uns-vom-aufstieg-und-fall-eines-selbsthilfe-gurus-100.html

Lebensspenderinnenspeck

Grundsätzlich hat man ja den Hang dazu, in der Innenwahrnehmung etwas scheußlicher zu sein als in der Außenwahrnehmung und das gilt gleichermaßen für das Innere und das Äußere. Momentan erlebe ich, erstmalig im Leben, täglich das überraschende Gegenteil. Vor vier Monaten habe ich ein Kind geboren. Dann tat ein paar Wochen lang jede Zelle weh, doch nun fühle ich mich wirklich gut. Ich schwinge mich sogar zu der Aussage auf: so gut wie nie. Das ist höchstwahrscheinlich Quatsch, spiegelt aber deutlich wider, dass es mir wirklich gut geht. Den Glücklichen gehört der Superlativ, wusste ja schon Dostojewski. Ich fühle mich wie ein seksi Mamamann mit Kurven und Verve, ich gehe unbewusst davon aus, von einnehmender Milfigkeit umgeben zu sein die wie eine noble Parfumwolke um mich herum wabert und natürlich wabert sie angemessen nobel und dezent. Weiterlesen