Matsch statt Mathe!

Ein Alptraum vom wieder-in-die-Schule-müssen.

In der Nacht von Sonntag auf Montag träume ich es: ich soll wieder in die Schule gehen.  Beim Gebäude handelt es sich um meine alte Schule in größer, moderner, unübersichtlicher. Zwei Stunden Mathe stehen als Start meines ersten Tages auf dem Programm. Ja ganz toll, darin war ich ja besonders überragend. Ich bin scheinbar  in Stufe zwölf, aus mir nicht näher bekannten Gründen soll ich das Abi nochmal machen. Es gibt wohl Zweifel daran, dass ich es damals mit rechten Dingen geschafft und erhalten habe. Meine Mitschüler sind höflich und lassen mich in Ruhe. Auf dem Flur hört man Schritte, das berühmte Pampam von Absatzschuhen resoluter Lehrerinnen auf Steinboden. Weiterlesen

BOOK & AWAY!

Eine arte-Webserie

Neulich durfte ich einem wirklich bemerkenswert liebevoll gestalteten Projekt meine Stimme leihen. Viel Freude allen Literaturinteressierten mit acht Mini-Folgen zum Thema „Wie man reist zeigt wer man ist.“ – es wird prominenten Schriftstellern in den Koffer gelugt:

http://creative.arte.tv/de/series/book-away

Ein heiterer Himmel

Heute Morgen war ich aus Gründen in einem Gottesdienst. Das bin ich nicht so oft. Gepredigt wurde aus dem Johannesevangelium, den Text hat man schon mal gehört: „Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.(…) Wer sich aber fürchtet ist nicht vollkommen in der Liebe (…)“.
In der Predigt ging es um Furchtlosigkeit und um die größtmögliche Offenheit, auch und vor allem dem Fremden gegenüber. Mit Gott kann ich ja nicht so viel anfangen, mit der Liebe aber schon, also docken die Inhalte in mir an.
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Bräunliche Buddhisten

Eines sonnigen Donnerstags im April werde ich auf einer Gastronomieterasse aus Versehen Zeugin eines der ernüchternsten Unter- Männern-Gespräche, die ich je mit anhören musste. Gerne hätte ich mich früher mit dem Zeug beschäftigt, das ich zwecks Erledigung mit ins Café schleppte, aber ich kann einfach nicht weghören. Zwei männliche Menschen, einer Ende vierzig, der andere Mitte zwanzig, nehmen am Nebentisch Platz. Wir nennen sie Grün und Beige, aufgrund ihrer Oberbekleidung, einmal T-Shirt und einmal Polohemd. Der Redeanteil vom älteren Beige beträgt solide 85 Prozent, wir haben es hier mit einem klassischen Fall von „ich höre gern den beruhigenden Klang meiner Stimme“ zu tun. Sein Sprechtempo ist zermürbend, da konsequent einige Tickchen zu langsam. Die Sätze wohlüberlegt, die Satzbauten nicht übel, aber das Tempo verdient keine andere Vokabel als unerträglich. Es soll wohl lässig und tiefenentspannt wirken, tatsächlich aber meint man, er hätte vielleicht ein logopädisches Problem, dieser Eindruck vermischt sich mit einer Selbstgefälligkeit, die er stolz und staunend wie einen frischen Pokal, von dem er selbst überrascht wurde, vor sich herträgt. Weiterlesen

Ein Text meines Dezemberprojektes.

Du kannst es hören oder lesen. Es geht um so was: „Sodann wird sich in die Bahn geworfen, die nach Anfahrt drei weiterer Stationen überquillt vor Schülern, stramm auf dem Weg in die Pubertät, auch bekannt unter Stinkealter. Es ist diese Zeit, in der der Körper bereits eine annähernd erwachsene Duschfrequenz einfordert, der Bewohner des Körpers aber gerne weiterhin im Peter Pan-Land der Wasserverachtung leben möchte.“

7.12.

Heute hatte ich eine Bahnfahrt der erquicklichen Art. Die kann man immer haben, das hat rein gar nichts mit dem Dezember zu tun. Erzählen will ich es trotzdem. Weiterlesen

Karfreitags-Upsi

In der Nacht wach werden von merkwürdigen Bilderwelten und  dann im Ausdämmern aus dem Schlaf rallen, dass man da gerade tatsächlich zwei saubere Auferstehungen geträumt hat. In einem Fall war sogar schon der Bestatter da, bevor das Leben zurückkam. Im anderen Fall war eine längst verstorbene Person plötzlich wieder am Esstisch.

Dann auf dem Weg zum Wasserglas in die dunkle Küche das zweite „Pling“ in der Rübe hinsichtlich des Datums: Karfreitag. Ach Du Schreck.

Watt soll ich Atheistin Schrägstrich Agnostikerin Schrägstrich religiös Minderbegabte mit diesem Traum, mein lieber Herrgott! Es gibt abertausend Leute, die sich über diesen Traum an genau diesem Tag  kapott gefreut hätten, da war ich nicht die beste Rezipientin. Aber mit  gerechter und wohlüberlegter  Verteilung hast Du es meinem Eindruck nach ja  eh nicht so. No offense.

„Zwischen Krieg und Frieden“ Dokumentation Ostukraine

„Es ist still geworden um die blutigen Kämpfe in der Ostukraine“ schrieb die deutsche Welle bereits letztes Jahr im Juli. Kaum etwas begegnet einem momentan von dort, sofern man sich nicht um Information bemüht. Andere Themen, neue Katastrophen beherrschen die Nachrichten

In dieser tollen Doku von Lichtfilm durfte ich einige Voice-overs übernehmen. In einer Entfernung von 200 Kilometern von den umkäpften Gebieten liegt die Stadt Dnipopetrowsk, der Film begleitet Menschen aus dieser Stadt.

http://www.dw.com/de/zwischen-krieg-und-frieden/a-18445439

Donnerstag Nachmittag.

Im März. Die Sonne blökt zum ersten Mal mit diesem dem Frühling verschriebenen animateusigen Cheerleadercharakter vom Himmel herab. Bei der irdischen Parkplatzsuche sehe ich, dass vor unserer Haustür die alljährliche Frühjahrskirmes aufgebaut wird. Im laut gestellten Radio beginnt „Alors on danse“.

Da fühle ich ihn, laut und deutlich, meinen inneren Asi. Wie er aus dem Winterschlaf erwacht, seine gut geölten Klöten nach außen stülpt, sich den Staub von den Klamotten schüttelt, eine Zigarette der Marke West mit Daumen und Mittelfinger in den Rinnstein schnippt, grinst, und in neongelben Graffittibuchstaben auf hellblauem Grund denkt: „Geiel. Samstach Autoscooter.“

Stolpersteine

Stolpersteine.

Ich mag die. Goldene Pflastersteine im grauen Betonalltag.

Allein deshalb mag ich sie: weil man während eines hastigen Ganges tatsächlich kurz abgelenkt wird, sich nicht dagegen wehren kann, wahrzunehmen, was dort geschrieben steht. Und wenn man Muße hat, dann besieht man sich die angewetzten, funkelnden kleinen Klötze eben genauer. Weiterlesen

Asien at all

Sie langweilen. Sie haben sich nicht verändert. In mehr als zehn Jahren nicht. Wovon sprechen wir? Von Backpackern, Rucksacktouristen in Asien, zu denen auch ich noch immer gehöre. Langweile ich mich also selbst? Und habe ich mit meinem damaligen granatohrringigen Dasein die Backpacker der 90ger gelangweilt? Wahrscheinlich sogar.

2004 landete ich zwanzigjährig in Delhi und was war es mir flau zumute bei dem Gedanken, jetzt knapp sechs Monate dort zu bleiben. Ich klammerte mich an die Hand meiner Reisebegleitung, ließ mich durch die Menschenmengen schieben und staunte. Weiterlesen