Erkenntnisse, Fragen & Feststellungen an einem Freitagabend.

Kindsvater und ich haben nun final beschlossen, wer wer wär, wenn wir Neunziger-Chartstürmer wären. Ich Dr. Alban, er Haddaway. Schön, in dieser Sache endlich Klärung erfahren zu haben.

Nicht schön, gar nicht schön, das absolute Gegenteil von schön: bemerken, mit wie wenig Überraschung man mittlerweile die Kombination Kleintransporter-Menschenmenge zur Kenntnis nimmt. Auch facebook hat sich dran gewöhnt; die Profilbildwechselwelle der Anteilnahme bleibt aus. Und damit auch das jedes Mal aufs Neue aufbrausende Wortgetöse, dass das a. eh Quatsch sei, b. keiner es mächte wenn es um Afrika ginge, c. damit niemandem geholfen ist, man d. aber ein kleines Zeichen setzen möchte und sei das nur in der Beflaggung des Profilbilds und e. dergleichen mehr.  Weiterlesen

Nackenfaltenmessung ohne mich.

Wenn man schwanger ist muss man eine Wahl treffen: Pränataldiagnostik ja oder nein. Im letzten Jahr entschieden wir uns dagegen.

„Machen das denn andere Leute auch so?“

„Was die anderen machen sollte ja grundsätzlich egal sein, an dieser Stelle aber ganz besonders.“

Antwortet mir meine Frauenärztin, wie immer angenehm resolut und ohne heißen Brei. Wir haben uns gerade gegen das Ersttrimesterscreening entschieden, ein Verfahren, bei dem das Down-Syndrom, andere Chromosomenabweichungen und Herzfehler aufgedeckt werden können. Eigentlich fühlte ich mich mit dieser Entscheidung ziemlich wohl; sie war eindeutig und in ehelicher Einigkeit beschlossen worden. Nun aber, auf dem roten Lederstuhl in der mir doch schon vertrauten Praxis, erscheint es mir plötzlich abstrus, die Gelegenheit, Dinge zu kontrollieren, einfach verstreichen zu lassen. Weil eigentlich kontrolliere ich ganz gerne Dinge. Weiterlesen

Diese Woche hatten wir im Studio Kapazität für Quatsch. Oder Kunst. Entscheiden Sie selbst.

Kleine, sehr späte Schreitherapie anlässlich meines ersten Shitstürmchens.

„Liebe FR Goldberg, möchten Sie mich für blöd verkaufen? Wir reden hier die ganze Zeit nicht um Einzelfälle“.

Ungefähr so harmlos ging es los, als ich vor einiger Zeit einen Bericht über unsere Familiensituation bei der HuffPost veröffentlichte, einem doch extrem nervigen Geschäft, aber hinterher ist man ja immer schlauer. Es schien mir damals wie eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit, ein paar vielen  Fremden von unseren Erfahrungen zu berichten, die ich gerne geteilt sähe, nach wie vor.

Falls noch jemand ins Thema geholt werden möchte: in meinem Elternhaus leben Syrer, mittlerweile noch drei an der Zahl, und sie haben uns überraschenderweise noch immer nicht abgestochen. Zwar rechnete ich fest mit viel trolligem, magensaurem Dampf in der Kommentarspalte, aber die Flut an Hass und Irrsinn, die sich nach kürzester Zeit im virtuellen Orbit zusammenfügte, hat mich dann doch kurz erschrocken. Erwischt.

Fürs weitere Prozedere sei im Übrigen gesagt: alle Zitate schreibe ich so auf, wie ich sie vorgefunden habe. Die Klaviatur der Kommentare reichte vom berechenbar langweiligen, erhobenen Mäusefäustchen á la

„nach der nächsten Bundestagswahl mischt die afd mit freunde.zieht euch warm an, es wird zeit das in deutschland wieder ordnung herrscht.“  Weiterlesen

Nina voiceovert in einer SEHR interessanten Doku.

Jahrelang war James Arthur Ray ein Superstar der amerikanischen Coachingszene: In seinen Bestsellern, Motivationsvorträgen und teuren Seminaren suchten Menschen Hilfe zur Selbsthilfe, Trost und Erleuchtung. Doch dann kamen drei Menschen bei einem von ihm veranstalteten „Schwitzhüttenritual“ ums Leben. Der Film beginnt am Tag seiner Gefängnisentlassung.

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/dokumentarfilm/erleuchte-uns-vom-aufstieg-und-fall-eines-selbsthilfe-gurus-100.html

Lebensspenderinnenspeck

Grundsätzlich hat man ja den Hang dazu, in der Innenwahrnehmung etwas scheußlicher zu sein als in der Außenwahrnehmung und das gilt gleichermaßen für das Innere und das Äußere. Momentan erlebe ich, erstmalig im Leben, täglich das überraschende Gegenteil. Vor vier Monaten habe ich ein Kind geboren. Dann tat ein paar Wochen lang jede Zelle weh, doch nun fühle ich mich wirklich gut. Ich schwinge mich sogar zu der Aussage auf: so gut wie nie. Das ist höchstwahrscheinlich Quatsch, spiegelt aber deutlich wider, dass es mir wirklich gut geht. Den Glücklichen gehört der Superlativ, wusste ja schon Dostojewski. Ich fühle mich wie ein seksi Mamamann mit Kurven und Verve, ich gehe unbewusst davon aus, von einnehmender Milfigkeit umgeben zu sein die wie eine noble Parfumwolke um mich herum wabert und natürlich wabert sie angemessen nobel und dezent. Weiterlesen

Törchen 12

12.12.

Grundsätzlich ist ein Fun Fact in allen Weihnachtsbereichen besonders augenfällig: die Moderne hat dort nichts zu suchen!

Bis auf die Geschenke, die  HD-ig oder elektronischer Natur sein sollen oder wahlweise in einer Parfümerie eingefangen werden, möchte der gesamte Rest des Lebens  während der Feiertage bitte behaupten,  es habe die letzten einhundert Jahre Geschichte nicht gegeben. Wir essen von antikem Silber, wir tragen viel wärmende Wolle, wir wollen plötzlich Kerzenschein statt LEDs.

Und: Wir wollen Schnee. Oder sollen Schnee wollen, da bin ich mir nicht sicher.

Das Radio ermüdet allenthalben mit kessen Sprüchen darüber, dass wir wohl dieses Jahr nicht mit weißen Weihnachten rechnen können. Ja Mensch, schade, dann dieses Jahr mal ausnahmsweise nicht. Aber wir fahren ja noch nach Österreich snowboarden und wellnessen, da kriegen wir ja dann unseren Schnee, auf dessen Eintreffen wir wochenlang eingenordet wurden.

Ganzjährig besteht diese kleine deutsche Welt in weiten Teilen aus Stein, Metall, Beton und Plastik, an Weihnachten wollen wir von alldem nichts wissen und komplett grüngewaschen und ursprünglich sein. Warum ist das so?

Könnte es nicht sein, dass die ganze Chose erst dadurch anstrengend wird, weil wir eine gewisse Selbstverleugnung betreiben müssen?

Mein persönlicher Advent war bisher ein bisschen anders als gewohnt. Durch dieses beknatterte Schreibprojekt war ich gezwungen, mir jeden Tag Zeit zu nehmen, um  wenigstens ein grobes Gerüst aus der Rübe zu würgen. Dass die Ausformulierung der Grobgerüste  in einen hektischen Freitag und einen langen Samstagabend, gewandet in Jogginghose, strähniges Haar und pinken Froschkönigbademantel mündete, muss ja niemand erfahren.

Ich bin dadurch tatsächlich ein bisschen wacher und rührseliger durch die Welt gelaufen. Und muss sagen: das war gut.